2. Preisträger 2012: Mustapha el Ayachi
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2. Preisträger: Mustapha el Ayachi

Mustapha el Ayachi arbeitet zumeist auf großformatigen Leinwänden mit Acryl oder Gouache. Seine Bilder sind farbgewaltig. Stets in mehreren Schichten angelegt erwachen seine Farben zum Leben unter Hinzunahme von Komplementärfarben, stark kontrastierenden Farben und auch unter Verwendung von Schwarz. Vieles wird übermalt, verschwindet hinter einer Farbwand, die sich wolkig aufzutürmen scheint. Reich und satt ist der Farbauftrag und die Führung des Pinsels in unterschiedlichster Farbdichte verbleibt deutlich erkennbar, zeigt breite Strichführungen, kreisende, sich überlagernde, zumeist lange, schwungvolle Bewegungen. Ohne jede Spur figurativer Assoziationen, wird der Pinsel in dynamisch kraftvollen Bewegungen über die Leinwand geführt. Dabei brechen helle, manchmal filigrane Elemente hervor, deren Formen jedoch im verhangenen Raum hinter den geballten Farbwolken verbleiben. Sie sind in ihrer Farbstärke besonders intensiv, kontrastieren mit den sich ständig zu verändern scheinenden Farben der übrigen Bildkomposition. Hier ist es zumeist Rot, zum Teil unter Hinzunahme von Weiß. Ein Reichtum an Farbschichten, die vom Bildgrund sich mehr und mehr auszuweiten scheinen erhöhen die Spannkraft der Formen. Die Bilder von Mustapha el Ayachi sind frei von Perspektive und Gesetzmäßigkeiten, sie sind von solch starker Expressivität, dass sie den Eindruck vermitteln, selbständig in einen ihnen eigenen Zustand der Veränderlichkeit hinüber zu gehen. Einer Momentaufnahme gleich erwartet der Betrachter diese Veränderlichkeit mitzuerleben. Großflächige Farbmeere locken ihn an, öffnen sich und erlauben einen visuellen Zugang. Wenn auch in einem anderen Zusammenhang so formuliert, zeigt sich doch wieder einmal mehr, dass die von Erich Franz 2007 geschriebene Aussage über Malerei auch hier Gültigkeit hat: Malerei ist als solche nicht Realität; als Ausbreitung von Farbe auf einer Fläche löst sie sofort und unvermeidlich illusionistische Wirkungen aus. Bilder entstehen nicht auf der Bildfläche, sondern im Betrachter selbst, in den Erfahrungen seiner Wahrnehmung. Immer wieder neu provoziertes Sehen führt zu immer neuen Entdeckungen. Mit dieser Erkenntnis ausgestattet geht der forschende Blick des Betrachters erneut suchend und findend über die Bilder von Mustapha el Ayachi hinweg und taucht ein in die so kraftvoll ausgeführten Farbwelten.